Wolf von Buchwaldt

Das Gebiet der Cyber-Versicherung birgt noch immer eine Menge Potential. Und das, obwohl Schäden längst keine Seltenheit mehr sind. Woran das liegt und warum selbst Unternehmen mit bester Technologie eine Versicherung abschließen sollten? Wolf von Buchwaldt, Director Broker Sales beim Digitalversicherungs-Marktführer für kleine und mittlere Unternehmen, Hiscox, kennt die Antworten.

Redaktion: Herr von Buchwaldt, die ganze Welt wird ja immer digitaler. Was soll also damit ausgedrückt werden, dass Hiscox sich „Versicherer der digitalen Welt“ nennt?

Wolf von Buchwaldt: Also erstmal ganz allgemein gesprochen: Die Aufgabe von Versicherern ist es ja, Risiken zu minimieren, und zwar durch Policen für verschiedene Gefahren. Wir sind Versicherer der digitalen Welt, weil wir uns schon sehr früh auch auf neue Gefahren spezialisiert haben, die eine zunehmend digitale Welt mit sich bringt.

Eng gefasste Formulierungen von Versicherungsbedingungen passen nicht mehr, sondern müssen um die Risiken der vernetzten Welt erweitert werden. Versicherungen müssen heutzutage also gewissermaßen den Wandel mitatmen, um Kunden mit fairen und zukunftsgewandten Deckungen auch vor neuen Risiken gut schützen, heute und morgen. Kurz gesagt, wir wollen mit unseren Lösungen Bewegungsfreiheit in der digitalen Welt bieten. Und natürlich müssen diese Versicherungslösungen auch digital abgeschlossen werden können.

Redaktion: Welche neuen Risiken sind denn entstanden?

Wolf von Buchwaldt: Da gibt es einige, ich nenne mal ein paar ganz konkrete Beispiele: Ein Mitarbeiter öffnet einen gut getarnten infizierten E-Mail-Anhang und daraufhin wird das IT-System verschlüsselt. Oder ein Hacker verschafft sich unbemerkt Zugang zum Unternehmens-Computersystem, kann Geschäftsgeheimnisse einsehen und entwenden. Oder ein Angestellter lässt versehentlich einen Datenträger mit vertrauliche Kundendaten im Zug liegen – was ein Unternehmen verpflichtet, innerhalb bestimmter Fristen alle Betroffene und auch die Behörden zu informieren. Und so weiter – Sie sehen, in einer immer stärker vernetzten Welt sind unsere Versicherungsnehmer digitalen Risiken ausgesetzt, die sie nur schwer überblicken können. Niemand kann mehr isoliert agieren.

Redaktion: Schon seit knapp zehn Jahren bieten Sie nun schon eine Cyber-Versicherung an. Wie kommt es, dass laut Cyber Readiness Report immer noch bloß ein Viertel der Unternehmen eine solche Absicherung haben?

Wolf von Buchwaldt: Stimmt, wir waren die allerersten im deutschsprachigen Raum mit einem solchen Produkt. Wir konnten damals auf das Spezialisten-Knowhow unserer Kollegen aus den USA und UK aufbauen. Wir sind heute Marktführer bei kleinen und mittleren Unternehmen. Das und die zahlreichen Auszeichnungen, die wir erhalten haben, hängen auch damit zusammen, dass wir durch die Versicherungsnehmer durch sehr umfangreiche Assistance-Leistungen auch bei der Prävention ebenso wie bei der konkreten Bewältigung des akuten Krisenfalls unterstützen, auch durch ein Expertennetzwerk in den Bereichen IT-Forensik, Krisen-PR und Recht.

Was die Versicherungsquote angeht – vielleicht müssen wir ja TV-Werbung schalten, damit der Rest der Unternehmen auch mitbekommt, wie wichtig eine Cyber-Versicherung ist? Seit fast einem Jahrzehnt informieren wir und leisten Überzeugungsarbeit. Die ersten Jahre waren zäh, aber mittlerweile spricht es sich immer stärker rum, wie essentiell eine gute Cyber-Versicherung ist. Denn in keiner Branche und in keiner Unternehmensgröße ist man mehr vor Hacker-Angriffen gefeit.

Sehr gut nachvollziehbar wird das wie ich finde anhand der konkreten Geschichte, die wir per Video von einem Mittelständler aus dem Westerwald erzählen, der sich eigentlich nicht hätte vorstellen können, Opfer eines Cyber-Angriffs zu werden – und wie wir ihm zusammen mit unserem Expertennetzwerk geholfen haben, die Attacke gut zu überstehen:

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Redaktion: Aber können sich Unternehmen nicht technologisch so gut gegen Cyber-Gefahren schützen, dass sie keine Versicherung dagegen brauchen?

Wolf von Buchwaldt: Ganz klar nein. Einen 100-prozentiger Schutz gegen Cyber-Risiken kriegt man in einer vernetzten Welt ebenso wenig hin wie etwa der Schutz vor einem Brand. Die Experten betonen immer wieder, dass die Cyber-Versicherung die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts ist. Der große Unterschied zur Feuerversicherung ist allerdings, dass es vielen schwer fällt, die abstrakte IT-Welt zu verstehen und sich mit deren Risiken auseinander zu setzen. Oftmals sind wir zufrieden, wenn das der IT-Profi für uns macht.

Das wird sich ändern, und zwar ändern müssen. Allein schon, weil Hacker-Angriffe so verdammt teuer geworden sind. In dem von Ihnen erwähnten Hiscox Cyber Readiness Report, einer jährlich durchgeführten internationalen Studie, haben wir gesehen, dass die Kosten für Cyber-Schadenfälle explodiert sind: Während sie im Vorjahr durchschnittlich bei 9.000 Euro lagen, liegen sie aktuell bei 51.200 Euro, also eine Versechsfachung! In Einzelfällen sehen wir aber sogar sechs- oder siebenstellige Kosten, was ohne Versicherung für viele Unternehmen existenzbedrohend sein kann.

Redaktion: Das Thema Cyber-Gefahren klingt ziemlich komplex. Wie können sich Makler, die ja meist nicht gleichzeitig Cyber-Sicherheits-Experten sind, ein Bild davon machen?

Wolf von Buchwaldt: Genau dafür haben wir jetzt ein tolles Spiel namens Hiscox Cyber Crime Time entwickelt, das wir zur DKM mitbringen: Hier können Makler und alle anderen Interessierten – also auch zum Beispiel ihre Kunden – quasi am eigenen Leib erfahren, wie es ist, eine Hacker-Attacke zu erleiden. Hier müssen sie unter Zeitdruck unter Beweis stellen, ob sie die richtigen Entscheidungen in verschiedenen Bereichen treffen. Man darf gespannt sein – ab Start der DKM findet man die Zugangsdaten auf unserem Aussteller-Profil!

Quelle: Hiscox
Redaktion: Sie haben kürzlich Ihre Lösung Cyber Clear erneuert und erweitert. Was sind die wichtigsten Änderungen?

Wolf von Buchwaldt: In einem Satz: Neue Zielgruppenkonzepte für die Branchen Bau, Handel und Hersteller, erweiterte Assistance-Leistungen, die noch umfassender ins Bedingungswerk aufgenommen wurden sowie umfangreichere Deckung bei Betriebsunterbrechung. Mein fürs Produkt zuständiger Kollege Ole Sieverding nennt in diesem Video weitere Details:

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Redaktion: Für Maschinenbauer haben Sie auch die Lösung „Smart Manufacturing“ im Portfolio. Was verbirgt sich dahinter?

Wolf von Buchwaldt: Der Hintergrund ist: Maschinenbauer wandeln sich zunehmend von reinen Hardwareherstellern zu IT- und Serviceanbietern. Dabei sind auch in diesem Bereich die Auswirkungen auf Prozessebene für Entscheider in mittelständischen Unternehmen ohne große IT- oder Rechtsabteilung teilweise schwer zu greifen und digitale Risiken kaum kalkulierbar.

Durch eine Digitalisierung des Produktportfolios entstehen neue Risiken für das Unternehmen selbst und für seine Geschäftspartner. Fehlerhafte Software kann zum Ausfall der Maschine führen und bei Sicherheitslücken können unbefugte Dritte über die Netzwerke Zugriff auf die Maschinen erhalten. Diese können blockiert und umprogrammiert oder sensible Daten gestohlen werden. Es kann somit ohne einen Sachschaden zu einem Stillstand und somit Ertragsausfallschaden oder Vermögensschäden kommen. Im Falle von sensiblen Daten muss ein Verstoß gegen Geheimhaltungsvereinbarungen und das Bundesdatenschutzgesetz geprüft werden.

Und genau dafür haben wir unser Produkt „Hiscox Smart Manufacturing“ entwickelt – im Video gibt es weitere Informationen dazu:

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Redaktion: Parallel bieten Sie auch IT-Versicherungen an. Ist das nicht dasselbe wie Cyber-Versicherungen?

Wolf von Buchwaldt: Nein, das sind zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. IT-Risiken sind Risiken, die insbesondere IT-Dienstleister betreffen, also die Umsetzer der Digitalisierung. Zum einen die IT-Berufshaftpflicht, die vor Schadenersatzansprüchen schützt, die an Unternehmen gestellt werden – zum Beispiel ein Programmierfehler oder ein Verzögerungsschaden. Außerdem die Betriebshaftpflicht, also wenn ein Kunde zu Besuch ist, über ein Kabel stolpert und sich verletzt oder wenn ein IT-Profi versehentlich etwas beim Kunden beschädigt. Diese beiden Versicherungen werden von über 80% der Auftraggeber übrigens für eine Auftragsvergabe vorausgesetzt, wie wir kürzlich in unserem IT-Versicherungsindex herausgefunden haben. Außerdem die Sachversicherung, die eine Reparatur oder den gleichwertigen Ersatz bei Schäden an der eigenen Einrichtung trägt und auch Technik mitversichert – Beispiele sind ein Laptop-Diebstahl oder ein Wasserschaden im Büro. Und solche Schäden passieren häufiger als man denkt!

Redaktion: Sie erwähnten vorhin, dass Sie auch an die Makler gedacht haben und ihnen ein digitales Abschluss-Tool anbieten?

Wolf von Buchwaldt: Korrekt – denn wir legen großen Wert darauf, dass unsere Lösungen für die digitale Welt auch von der Vermittlern digital abgeschlossen werden können, was ihnen viel Zeit und Geld spart. Erst kürzlich haben wir unser Makler-Portal nochmals verbessert: Die Nutzerfreundlichkeit optimiert, so dass nicht nur Makler, sondern auch die Endkunden die Leistungen und Kosten von Policen jetzt noch transparenter gegenüberstellen können. Mit Hilfe einer neuen Schnittstelle können Partner Tätigkeiten direkt abfragen und Informationen zu relevanten Hiscox Produkten sowie deren Eigenschaften auf ihrer eigenen Website zur Verfügung stellen. Neu ist außerdem die Hiscox Makler Academy, die alle relevanten Informationen sowie das nötige Know-how für den digitalen Vertrieb bündelt.

Übrigens hat dieses innovative, digitale Tool die Juroren des „Deutschen Instituts für Service-Qualität“ so überzeugt, dass sie es kürzlich als eines der „Versicherungsprodukte des Jahres 2020“ ausgezeichnet haben!

Redaktion: Herzlichen Glückwunsch dazu – und vielen Dank für das Gespräch, Herr von Buchwaldt!

Titelbild: © Hiscox

Über den Experten

Wolf von Buchwaldt

Wolf von Buchwaldt

Director Broker Sales bei Hiscox Germany / Hiscox

Wolf von Buchwaldt ist seit 2019 für den gesamten Maklervertrieb von Hiscox Deutschland verantwortlich. Der Diplomkaufmann ist bereits seit 2010 bei Hiscox in verschiedenen Führungspositionen tätig und war zuvor u.a. bei VHV Versicherungen Leiter des Vermittlervertriebs.

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