Auch wenn die Tätigkeit gegen Honorar als Option schon seit einigen Jahren in aller Munde ist, scheuen noch immer viele Vermittler davor zurück, ihren Kunden Leistungen gegen Honorar anzubieten. Die Gründe hierfür liegen nicht darin, dass Vermittler nicht in der Lage wären, ihre werthaltigen Leistungen erfolgreich zu verkaufen. Der Grund für die geringe Verbreitung ist vielmehr die noch immer tiefe Verunsicherung, sich in dem Dschungel der Regulierungsvorschriften zu verirren und am Ende leer auszugehen oder sogar Reputationsschaden in der Kundschaft davon zu tragen.

Ein Problem für alle Vermittler

In der Tat stellen sich für Versicherungsmakler und Mehrfachvertreter besondere Fragen, wenn sie im Personengeschäft außerhalb der bAV tätig sind oder sonst Verbraucher beraten, eben weil sie mit Rechtsprodukten handeln. Eine weitere Problematik, die darin liegt, zu beurteilen, ob die gewählte Vergütungsform mit Wohlverhaltenspflichten vereinbar ist, teilen Versicherungs- und Finanzanlagenvermittler. Aber auch Finanzierungsvermittler sind betroffen, denn sie eint mit allen Vermittlern, dass sie die Verbraucherschutzvorschriften über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen wahren müssen. Daher haben sie die Abschlussfreiheit des Kunden zu beachten. Sie dürfen vom gesetzlichen Leitbild der Erfolgsabhängigkeit der Vermittlervergütung nicht abweichen und müssen auch vermeiden, dass ihre Honorarabrede als Umgehung eingestuft wird.

Honorar neben Provision?

Ebenso besteht noch immer große Unsicherheit darin, ob Vermittlungshonorare neben einer Provision vereinbart werden dürfen. Wegen der Honorare, die dem Schicksalsteilungsgrundsatz nicht unterworfen sind, bestehen Aufklärungspflichten über Frühstornorisiken, deren Verletzung zum Wegfall des Honoraranspruchs führen kann. Sind Honorare in Raten zu zahlen oder werden Honorarvereinbarungen außerhalb der Geschäftsräumlichkeiten geschlossen, kommt die Erfordernis einer Widerrufsbelehrung hinzu.

Sichere Vergütung

Auf der anderen Seite haben Vermittler auch schutzwürdige Interessen, wenn sie Kunden mit der vom Gesetz geforderten hohen Qualität beraten. Deshalb geht es auch darum, auf eine ausreichende Absicherung der Vergütungsinteressen zu achten. So können Vermittler vermeiden, auch nach umfangreichen Beratungsleistungen unvergütet zu bleiben.

Zu guter Letzt geht es um Servicekonzepte oder abrechnungsfähige Dienstleistungen, die die Beratung flankieren. In Zeiten unmaximierter Provisionen Konnten Vermittler diese Leistungen noch quer finanzieren. Heute sind diese kaufmännisch jedoch nur noch darstellbar, wenn diese auf A-Kunden oder Multiplikatoren beschränkt sind. Vielen Vermittlern ist allerdings rätselhaft, wie sie diese Leistungen allen Kunden eröffnen können.

Alle diese Fragen behandelt mein Vortrag „Wo und wie sind Honorare erlaubt? Rechtsrahmen für Honorare und Servicegebühren“, den ich anlässlich des von Honorarkonzept veranstalteten Kongresses Honorarberatung am Dienstag, den 23. Oktober 2019 um 12:00 Uhr auf der DKM halten werde.

Titelbild: © Kanzlei EVERS Rechtsanwälte für Vertriebsrecht

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