Stand: 24. April 2020

Fernsehen, Social Media, Zeitung: Das neue Coronavirus ist nicht nur unter uns, sondern überall. Bei Politikern wie Bürgern aber auch Wirtschaftstreibenden herrscht gleichermaßen Unsicherheit. Davon sind auch Makler-Unternehmen nicht ausgenommen. Doch wie können kleine- und mittelständische Unternehmer ihre Firmen erfolgreich durch die Krise steuern? Wo finden sie Hilfe, die sie benötigen? Organisatorisch, fachlich, technisch und finanziell? Wie können sie ihre Belegschaft und ihre Kunden schützen und gleichzeitig fit machen für mögliche Lockdown Szenarien? Welche Quellen sind zuverlässig? Wir haben recherchiert:

Inhalt:

Was ist das Coronavirus?

Zunächst ein kurzer Blick in die Vergangenheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führte das neue Coronavirus bereits am 12. Januar in ihren „Disease Outbreak News“ auf. Coronaviren sind an sich keine Neuheit, immerhin kursieren sie bereits seit einigen Jahrzehnten durch den Kreislauf von Tier und Mensch. Häufig werden sie vom Tier auf den Menschen übertragen. Ursprung des neuen Ausbruchs mit COVID-19 (die 19 steht für das Jahr 2019) soll diesmal ein Markt für Seafood in der chinesischen Stadt Wuhan gewesen sein. Als erste gemeinsame Symptome listete die WHO Fieber und Atemnot auf, auch waren schon früh Fälle mit Lungenentzündungen bekannt. Mehrere Wochen später fügte die WHO hinzu, dass etwa 20 Prozent der Erkrankten schwere Symptome zeigen. Beim Rest sei der Krankheitsverlauf vergleichsweise mild. Glücklicherweise nur ein kleiner Teil der Erkrankten, die Expertenmeinungen schwanken zwischen drei Prozent oder weniger, sterben in Folge der Infektion.

Wie schützen sich die Menschen vor dem Coronavirus?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die Gefahr, die derzeit vom Coronavirus ausgeht, inzwischen als hoch ein. Für Risikogruppen ist das Risiko sehr hoch. Je nach Region ist die Belastung des Gesundheitssystems unterschiedlich schwer, dennoch ist jeder Einzelne gefordert, um eine weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen. Hier nennt das RKI etwa die Verringerung oder Vermeidung von sozialen Kontakten. Auch rät es dazu, die gängigen Hust- und Niesregeln einzuhalten, einen bis zwei Meter Abstand zu Erkrankten einzuhalten und ganz besonders auf die Handhygiene zu achten. Die Nutzung von Händedesinfektionsmittel sowie häufiges Händewaschen mit Seife oder Spülmittel (mindestens 20 Sekunden) sollen das Virus unschädlich machen.

Die WHO stellt alle wichtigen Informationen zum Coronavirus sowie zur von ihm ausgelösten Krankheit Covid-19 zur Verfügung. Eine Übersicht auf Deutsch finden Sie beim RKI. Ferner verfolgt die Johns Hopkins University aus Baltimore die Ausbreitung des Coronavirus auf einer stets aktuellen Karte. Und im Video gibt die WHO Tipps zum Schutz gegen das Coronavirus.

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Ab dem 27. April 2020 tritt in den ersten Bundesländern eine Verordnung zur Maskenpflicht in Kraft. Weitere Informationen dazu stellt die Bundesregierung zur Verfügung.

Bezahlung in Quarantäne

Im Zuge der Krise sehen indes viele Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler ihre Existenzgrundlage bedroht. Die Quarantänemaßnahmen breiten sich zunehmend aus, selbst große Konzerne geben Gewinnwarnungen heraus, weil Aufträge ausbleiben. Die Corona-Krise sorgt für Unklarheit, was die Bezahlung von Arbeitnehmern und -gebern angeht. Werden Arbeitnehmer, die unter Quarantäne stehen oder deren Unternehmen im Zuge der Pandemie nicht mehr produzieren können, bezahlt? Ja, sagt Rechtsanwalt Christian Bochmann, Partner der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg. Allerdings trage (Stand 19. März 2020) noch der Unternehmer das volle Risiko. Gegenüber Das Investment erklärt Bochmann, warum. Auch wenn am Arbeitsplatz keine Beschäftigungsmöglichkeit besteht, müsse er seinen Arbeitnehmern ihr Entgelt fortzahlen. Wenn ein Arbeitnehmer erkrankt, bestehe nach wie vor der Anspruch auf Entgeltfortzahlung.

Niedrigere Hürden für Kurzarbeit

In Deutschland gibt es mehrere Programme, die die durch das Coronavirus entstandenen Schäden an Unternehmen auffangen sollen. Dazu gehört etwa die von der Regierung angekündigte Anpassung der Kurzarbeiter-Regelung. Betroffenen Unternehmen ist es nun möglich, anfallende Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden zu 100 Prozent erstatten zu lassen. Um Anspruch auf Kurzarbeitergeld zu haben, müssen mindestens zehn Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als zehn Prozent haben. Anfallende Sozialversicherungsbeiträge werden für ausgefallene Arbeitsstunden zu 100 Prozent erstattet. Leiharbeiter können nun ebenfalls in Kurzarbeit gehen und haben daher Anspruch auf Kurzarbeitergeld. Unternehmen können das Kurzarbeitergeld bis zu zwölf Monate lang in Anspruch nehmen (Stand 2. April).

Weitere Informationen zum Antrag und zur Berechnung von Kurzarbeitergeld stellt die Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung.

Staatliche Hilfe gegen das Coronavirus

Eine weitere Maßnahme ist ein mehrere Milliarden Euro schweres „Schutzschild“, das Betrieben und Unternehmen zugutekommt. Die KfW-Bank hat hierbei die Aufgabe, Unternehmen mit günstigen Krediten zu versorgen. Dafür kooperiert sie mit der Deutschen Kreditwirtschaft. Ab sofort können Unternehmen einen Antrag auf einen Hilfskredit stellen. Alle Anträge können Unternehmen über ihre Hausbank einreichen. Diese ist hierbei der erste Ansprechpartner, berät und beantragt die finanziellen Hilfen. Sollte der Betrieb eines Selbstständigen aufgrund einer Quarantäne ruhen, können sie laut Infektionsschutzgesetz einen Ersatz der Ausfälle beantragen. Dasselbe gilt auch für Arbeitgeber, die unter Quarantäne stehenden Mitarbeitern Lohn zahlen.

Welche Kredite für welche Unternehmen gedacht sind, verrät die KfW auf ihrer Homepage. Die kostenlose Service-Hotline ist 0800 539-9001. In Bayern ansässige Unternehmen können außerdem bei den bayerischen Behörden einen Antrag auf Soforthilfe stellen. Die Antragstellung funktioniert über ein Online-Formular. Detaillierte Informationen stellt außerdem das Bundesfinanzministerium bereit.

Aufgrund von Betrugsfällen hat das Land Nordrhein-Westfalen die Soforthilfe für Solo-Selbstständige und Kleinstbetriebe vorerst gestoppt. Details hierzu stellt das Land in einer Pressemitteilung zur Verfügung.

„Den deutschen Banken und Sparkassen ist bewusst, dass sie zusammen mit der KfW eine zentrale Rolle bei der Krisenbewältigung haben.“ – Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, in einer Pressemeldung

Steuerstundung bei Coronavirus

Wie das Bundesfinanzministerium mitteilte, haben die Finanzbehörden nun mehr Spielraum, Stundungen von Steuerschulden zu gewähren. Die Bedingungen dafür hat die IHK München zusammengefasst. Unmittelbar vom Coronavirus betroffene Unternehmen bleiben bis Ende des Jahres 2020 von Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschlägen verschont. Auch erleichtert das Bundesfinanzministerium die Voraussetzungen, um Vorauszahlungen von Steuerpflichtigen anzupassen. Weitere Fragen dazu beantwortet das Bundesfinanzministerium. Anträge zur Steuerstundung gibt es zum Beispiel bei der IHK München.

Frist für Insolvenzanträge ausgesetzt

Vor einer spontanen Virus-Insolvenz muss sich bis auf weiteres niemand fürchten. Das Justizministerium hat darüber hinaus bekanntgegeben, die normalerweise dreiwöchige Frist für Insolvenzanträge bis zum 30.9.2020 auszusetzen. Das gelte für alle Unternehmen, die in Folge der Pandemie in ernste finanzielle Probleme geraten.

„Wir wollen verhindern, dass Unternehmen nur deshalb Insolvenz anmelden müssen, weil die von der Bundesregierung beschlossenen Hilfen nicht rechtzeitig bei ihnen ankommen. Die reguläre Drei-Wochen-Frist der Insolvenzordnung ist für diese Fälle zu kurz bemessen.“ – Christine Lambrecht, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, in einer Pressemeldung

Coronavirus im Betrieb

Sollte ein Mitarbeiter Symptome einer Covid-19-Erkrankung zeigen, sollten Arbeitgeber sich ans Gesundheitsamt wenden. Allerdings ist nur ein bestimmter Personenkreis zur Meldung verpflichtet. Diesen legt § 8 des Infektionsschutzgesetzes fest. Das RKI bietet eine Suchfunktion für das nächstgelegene Gesundheitsamt an.

Sobald ein Arzt bei einem Patienten den Verdacht auf eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus stellt, muss er das innerhalb von 24 Stunden dem Gesundheitsamt gemäß der neuen Coronavirus-Meldepflichtverordnung mitteilen. Diese gilt vorerst bis zum 1. Februar 2021, gesetzt dem Fall, dass der Bundesrat nichts anderes verordnet. Dasselbe gilt für Labors, die das neuartige Coronavirus bei einem Menschen nachweisen. Zur Meldung gehören auch Name, Adresse und Kontaktdaten der betroffenen Person.

Krankenkassen unterstützen Coronavirus-Untersuchung

Eine Laboruntersuchung auf SARS-CoV-2 hält das RKI zurzeit nur dann für notwendig, wenn es sich bei den Betroffenen um begründete COVID-19-Verdachtsfälle handelt. Als solche gelten Betroffene, die erstens Symptome aufweisen, innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fall hatten sowie sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet in Deutschland aufhielten. Sollte eine Person keine Symptome zeigen, so empfiehlt das RKI keine Untersuchung. Für alle, die sich untersuchen lassen, haben nun die gesetzlichen Krankenkassen Unterstützung angekündigt: Jeder Test wird mit 59 Euro vergütet. Das berichtet die AOK.

Beschränkung sozialer Kontakte

Am 16. März gab die Bundesregierung bekannt, gemeinsam mit den Regierungschefs der Bundesländer Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen im Zuge der Corona-Epidemie vereinbart zu haben. Das Ziel ist die weitere Beschränkung von sozialen Kontakten im öffentlichen Bereich. Die Bayerische Staatsregierung entschied sich daraufhin dazu, bestimmte Wirtschaftszweige einzuschränken. So sind vom 17. März bis zum 19. April sämtliche Freizeiteinrichtungen geschlossen. Vom 18. März bis zum 30. März bleibt der Einzelhandel geschlossen, ausgenommen der Lebensmittelhandel, Getränkemärkte und einige weitere. Auch bleiben vom 18. März bis zum 30. März Gastronomie-Betriebe geschlossen – mit Ausnahmen. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) beantwortet dazu weitere wichtige Fragen. Je nach Bundesland können die jeweils getroffenen Maßnahmen leicht abweichen. Die IHKs und Landesregierungen liefern stets aktuelle Informationen dazu.

In Bayern gelten ab dem 21. März verschärfte Ausgangsbeschränkungen. Gastronomiebetriebe sind dort dann ebenfalls verboten. Menschen dürfen ihre Wohnungen nur dann verlassen, wenn triftige Gründe vorliegen. Dazu gehören die Ausübung eines Berufs oder Versorgungsgänge. Alle Details dazu gibt es bei der Bayerischen Staatsregierung.

Home Office als Selbstschutz

Glück in der Krise für die Finanzwirtschaft: Dienstleister sind von vielen neuen Maßnahmen ausgeschlossen. Vermittler haben ohnehin den Vorteil, dass sie für ihren Beruf nicht zwingend an einen Ort gebunden sind. Um die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen zu befolgen, empfiehlt sich für Makler eine Home Office-Phase. Für eine solche ist für sämtliche Mitglieder eines Maklerbüros eine funktionierende Internetleitung auch am Heimstandort essentiell. Die IHK München rät dazu, im Büro eingehende Telefonate auf die privaten Geräte umzuleiten. Außerdem sollte die Nutzung von privaten und firmeneigenen Geräten strikt getrennt werden. Um auch hinsichtlich Datenschutz und Cyber Security auf der sicheren Seite zu sein, eignet sich die Nutzung eines Virtual Private Network (VPN) zum Internetzugriff. Das benutzte Gerät sollte stets auf dem neuesten Stand sein. Eine Prüfung, ob Betriebssystem, Router und Browser aktualisiert und ausreichend gesichert sind, ist angeraten.

Um den Arbeitsalltag im Home Office erfolgreich zu bewältigen, gibt es zudem eine Reihe von digitalen Tools, vor allem Cloud-Systeme. Für Videokonferenzen eignet sich zum Beispiel das Programm Zoom. Der Slack-Messenger ermöglicht die schnelle Kommunikation zwischendurch, auch ohne in Rufweite zu sein. T3n listet außerdem Google Drive für Datenspeicherung sowie WeTransfer zum Versenden von größeren Dateien, etwa Videos, auf.

Weitere Tipps zur Arbeit im Home Office fasst die IHK zusammen. Und bei der t3n gibt es einen ausführlichen Home Office-Guide.

Blick in die Zukunft

Der weitere Verlauf der Corona-Krise ist schwer abzuschätzen. Unternehmensführer sollten vom „Worst Case“-Szenario ausgehen, um vorbereitet zu sein – hierfür stellt die Gründerszene die Checkliste von Andreas Goeldi, Partner des Risikokapitalgebers Btov, zur Verfügung. Die wichtigsten Fragen hierbei: Wie entwickelt sich die Nachfrage? Wie beeinflusst die Krise den Geschäftsalltag? Wie sieht es mit interner Kommunikation und Finanzplanung aus?

Alle weiteren häufig gestellten Fragen und Antworten stellt das RKI auf seiner Homepage bereit. Die World Health Organization (WHO) hat dazu einen News-Ticker eingerichtet. Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt es Tipps zum Umgang mit Quarantäne und Infos für Eltern. Die Gewerkschaft ver.di gibt Arbeitnehmern eine Checkliste für den Umgang mit dem Coronavirus an die Hand. Und die IHK stellt ausführlichen Rat zum generellen Umgang mit einer Pandemie bereit.

Wir werden diesen Beitrag regelmäßig updaten und Sie auf dem Laufenden halten.

Titelbild: ©dottedyeti/ stock.adobe.com

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