Mit rund 100 Teilnehmern vor Ort in Frankfurt / M.  und über 50 Zuschauern parallel dazu im Netz, mit 13 vertretenen Gesellschaften und einem Rückversicherer live auf der Bühne war der 2. BIOMEXKON, der Biometrie Experten-Kongress 2020, gerade in diesen Tagen eine herausragende Branchenveranstaltung. Und das auch, weil das Format weder von einem Versicherer, noch einem Pool oder einem anderen Branchenmedium, sondern von einem Unternehmen aus der Praxis veranstaltet wurde: der SCALA Finanzgruppe aus dem fränkischen Kronach.

Wir sprachen mit SCALA-Gründer und Veranstalter Christian Schwalb über das Event, seine Inhalte, seine Learnings und die erheblichen Aufwendungen, die es bedeutet, ein solches Format in diesen besonderen Zeiten auf die Beine zu stellen.

Dr. Rainer Demski: Der BIOMEXKON war ja ursprünglich für das Frühjahr 2020 geplant, was die Corona-Pandemie seinerzeit zunächst verhinderte. Jetzt mit etwas Verspätung wurde das Event mit großem Erfolg und auch wie geplant vor Ort in Frankfurt / M. durchgeführt. Warum habt Ihr das Event trotz aller Widernisse und Bedenken von anderen Marktteilnehmern dennoch vor Ort durchgeführt, und mit welchen Schwierigkeiten hattet Ihr zu kämpfen?

Christian Schwalb: Natürlich ist es in Corona-Zeiten extrem herausfordernd, eine solche Veranstaltung umzusetzen. Da geht es nicht nur um die Hygiene- und Sicherheitskonzepte vor Ort, sondern um viele andere Dinge bereits in der Vorbereitung. Besonders herausfordernd ist dabei die Ungewissheit, ob tatsächlich auch alles klappt, oder ob man vielleicht auf den letzten Metern wieder eine „Notbremsung“ machen muss. Vor dem Hintergrund bin ich doppelt froh, dass alles gut geklappt hat und das Event vor allem auch bei unseren Teilnehmern und den anwesenden Gesellschaften extrem gut angekommen wurde.

Warum haben wir an dem physischen Event festgehalten? Nun, wir sind davon überzeugt, dass ein so komplexes Thema nur in der Tiefe behandelt werden kann, und das braucht Zeit sowie aktiven Dialog. In Online-Slots ist das kaum zu leisten. Aber ich muss insoweit korrigieren, als dass wir das Event nicht nur vor Ort, sondern auch als Livestream im Netz, also hybrid durchgeführt haben.

Dr. Rainer Demski: Was sind Eure Learnings aus dieser Umsetzung?

Christian Schwalb: Der BIOMEXKON hat auch in diesem Jahr wieder bewiesen, wie wichtig der Austausch zwischen Experten, Vermittlern und Versicherern ist. Ein konkretes Beispiel: Wir haben in verschiedenen Vorträgen auch konkrete Kritikpunkte bei ausgewählten Versicherern angesprochen, die auch live vor Ort auf unserem Podium waren. Es konnte direkt dazu Stellung genommen werden und an Veränderungen oder auch mal am Verständnis auf der Gegenseite gearbeitet werden.

Dr. Rainer Demski: Welche Fachthemen standen im Fokus?

Christian Schwalb: Klar wurde in den zwei Tagen, dass es vor allem bei der Grundfähigkeitsversicherung noch viel zu tun gibt. Da ist einerseits das Verständnis auf Vermittlerseite noch nicht so vorhanden wie es sein müsste. Andererseits konnten wir aber auch auf Missstände auf Produktseite hinweisen. Es braucht in diesem Produkt objektivierbarere Bedingungswerke, um bei künftigen Schadensfällen Missverständnisse zu vermeiden. Ein Beispiel: Ein Schneider wird den Gebrauch einer Schere sicherlich anders bewerten als ein Friseur, und ein Versicherer wird es auch wieder anders bewerten. Wir haben in den Dialog deshalb eingebracht, dass es hier an konkreten z.B. medizinisch belegbaren Definitionen fehlt für die spätere Leistungsfallbeurteilung.

Impressionen vom BIOMEXKON 2020

Dr. Rainer Demski: Wie haben sich die beteiligten Gesellschaften  eingebracht?

Christian Schwalb: Besonders positiv war, festzustellen, dass von Versichererseite der Austausch aktiv gewollt ist und man an gemeinsamen Verbesserungen interessiert ist. Uns erlangten direkt nach dem Event mehrere Einladungen von Versicherungsunternehmen und auch Rückversicherern, die den Austausch mit uns als Fachexperten intensivieren wollen. Nicht zuletzt stößt unser Projekt worksurance.de und unsere Ideen für neue Produkte auf großes Interesse.

Dr. Rainer Demski: Das hybride Veranstaltungsformat ist sicher auch Zukunftsmodell für eine Zeit nach Corona. Was waren aus Deiner Sicht die spannendsten Momente in diesem teils physischen, teils virtuellen Format?

Christian Schwalb: Richtig cool war das Erlebnis einer Diskussion weit über den eigenen Standort hinaus. Für einen Vortrag waren Stephan Kaiser von unserem BU Expertenservice aus dem Homeoffice in Franken und Thorulf Müller von Mallorca aus zugeschaltet, was nicht nur technisch super funktioniert hat, sondern auch im Austausch. Wir konnten live vor Ort sowohl aus dem Plenum wie auch mit unseren Online-Teilnehmern Wortbeiträge zur Diskussion an die zwei Online-Referenten stellen. Es war fast so, als seien die beiden bei uns vor Ort dabei gewesen. Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis.

Dr. Rainer Demski: Wie siehst und planst Du die Zukunft des Formates, und was sind Eure nächsten Ziele?

Christian Schwalb: Der BIOMEXKON findet alle zwei Jahre statt, also werden wir uns im Jahr 2022 voraussichtlich wieder in Frankfurt treffen. Da sich bis dahin die Online-Medien sicher noch weiterentwickeln werden, bin ich sehr gespannt, wie wir dann die digitale Reichweite noch besser nutzen können. Und selbstverständlich würden wir uns freuen, wenn wir dann noch mehr Gesellschaften, Pools und andere Marktteilnehmer für eine aktive Teilnahme begeistern können. Unsere Ziele sind und bleiben, mit unseren Aktivitäten den Markt immer wieder ein Stück besser zu machen.

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