Altersarmut ist trotz zahlreicher sozialer Hilfszahlungen, wie Grundsicherung, weiterhin ein großes Problem in Deutschland. Häufig werden derartige Leistungen einfach nicht in Anspruch genommen, sei es aus Unkenntnis, Scham oder aufgrund von mangelnder Beratung. Das Resultat: verdeckte Altersarmut.

Nichtinanspruchnahme bei 62%

Forscher des DIW Berlin haben in einer aktuellen Studie unter die Lupe genommen, wie viele Senioren Grundsicherung in Anspruch nehmen. Außerdem haben sie davon ausgehend berechnet, welche Auswirkungen sich ergeben würden, wenn alle Berechtigten ihren vollen Anspruch geltend machen würden. Dazu zogen sie die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) heran und verglichen die Zahlen mit dem tatsächlichen Leistungsbezug.

Anhand dieser Gegenüberstellung schätzten sie schließlich die Zahl derjenigen, die ihren Anspruch auf Grundsicherung nicht voll geltend machten. Die Forscher gelangten zu der Annahme, dass es sich dabei um die Mehrheit aller berechtigten Haushalte handelt (62%), was einer absoluten Zahl von 625.000 Haushalten entspricht.

Verwitwete besonders häufig betroffen

Besonders hoch ist der Anteil laut Studie bei Personen, die älter als 77 Jahre sind. Hier nehmen 73% die Grundsicherung nicht in vollem Umfang wahr. Übertroffen wird dieser Wert noch bei verwitweten Senioren. Sie erhalten sogar in 77% der Fälle nicht den vollen Betrag, der ihnen laut Grundsicherung zusteht.

Kleine Ansprüche selten eingefordert

Sobald ältere Anspruchsberechtigte nur wenig Zuwendungen aus der Grundsicherung zu erwarten hätten, steigt der Anteil noch weiter. So nehmen Senioren, die lediglich bis zu 200 Euro aus der Grundsicherung zu erwarten hätten, ihre Ansprüche in 80% der Fälle nicht wahr.

 

 Mehrheit nimmt Grundsicherung nicht in Anspruch

 

Auswirkungen von Inanspruchnahme

Das Haushaltseinkommen der Berechtigten würde durchschnittlich um 30% steigen und damit monatlich um ungefähr 220 Euro. Gerade das einkommensschwächste Zehntel könnte naturgemäß besonders von der Inanspruchnahme profitieren. Auf den Staat würden Mehrkosten von ungefähr zwei Milliarden Euro pro Jahr zukommen, errechneten die DIW-Ökonomen. (tku)

Bild: © Anke Thomass – stock.adobe.com

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